FRAGE

eine Kursteilnehmerin quält sich ca. 1x pro Woche mit Cluster-Kopfschmerz. Hast Du damit Erfahrungen? In meiner Yogatherapie-Ausbildung wurden andere Arten von Kopfschmerzen angesprochen.

Da für die schulmedizinische Behandlung Sauerstoff verwendet wird und frische Luft angenehm ist, dachte ich an tägliches Pranayama auf dem Balkon (sie wohnt am Waldrand): sanftes Kapalabhati und wegen der Einseitigkeit an die Wechselatmung.

Bei dem Anfall entsteht starke Hitze/Schwitzen (Wechseljahre sind vorbei) – wäre da auch Sitali empfehlenswert und alles was Pitta reduziert? Gibt es einen Zusammenhang mit Ernährung? Histamin oder so was? Die Betroffene hat bisher keine Auslöser entdeckt …

Für eine Antwort bin ich dir sehr dankbar. Ich freue mich schon auf die nächste Weiterbildung bei dir – du machst das super!!!

ANTWORT

Bei Cluster-Kopfschmerz Koshas beachten

Bei Cluster-Kopfschmerz würde ich unbedingt über die 5 Koshas angehen, um die gesamte Psychosomatik zu erfassen, und alle Aspekte zu berücksichtigen.

  1. Anamaya: Wichtig ist Entspannung entsprechend dem Grundsatz der Yogatherapie:”Entspannung ist der 1. Schritt zur Heilung”.
  2. Pranamaya: Harmonisierung von Ida und Pingala mit Swara-Yoga und Wechselatmung, evtl. am Schluss einige Runden mit voller Yogaatmung (wg. Sauerstoff).
  3. Manomaya: Gleichgewichtsübungen die helfen das innere Gleichgewicht zu stabilsieren: Baum, Tänzer, … usw.
  4. Vijnanamaya: Meditation auf “liebevolle Verbundenheit”, um das vermutlich vorhandene geistige Muster “Ich muss kämpfen” in eine liebevolle Wahrnehmung der Welt zu transformieren.
  5. Anandamaya: den inneren Beobachter im Alltag installieren und lernen sich selbst als dritte Person zu sehen. Das hilft die Erkenntnis über mögliche Ursachen, schädliche Lebensstilfaktoren und Ähnliches zu stärken.

Sie soll mindestens einmal täglich Yoga Nidra mit CD machen.

Wenn du selbst Yoga-Nidra ansagst und aufzeichnest ist das die beste Lösung. Dann kannst du speziell auf ihr Thema eingehen, und sie hat ja bereits eine Beziehung zu dir. Als zweitbeste (weil vermutlich keine persönliche Beziehung besteht) empfehle ich die Yoga-Nidra CD 1 von Swami Satyananda Saraswati.

Swara Yoga ist hier von zentraler Bedeutung

Vieeel Wechselatmung. Am besten als Gold-Silber-Atem und mindestens 30 Minuten am Tag.

Mit etwas Übung lässt sich das prima in Spaziergänge einflechten, dann ist die Kombination mit der frischen Luft auch dabei. Das Gehen an sich ist im Sinne von Swara-Yoga sehr gut für die weitere Harmonisierung von Ida und Pingala. Anleitungen zu heilenden Pranayamas mit Ansage von mir findest du hier, falls das interessant ist: Heilyoga-Meditationen: Universelle Heilung

Hitze und Schwitzen haben mit Stress zu tun. Meist gibt es neben der Hitzephase auch Kältephasen. Sinnvoll ist daher tatsächlich Swara. In der akuten Phase kann Sitali sehr sinnvoll sein, das sehe ich auch so.

Um nachhaltiges Gleichgewicht zu erreichen:

Neben wonnigen Wechselatmungsvarianten ist da das gesamte Swara-Programm wichtig, also alle Praktiken die rechts- und linksseitige Übungen beinhalten, wie beispielsweise die Helden, Gleichgewichtstellungen, Katzen, … und natürlich immer wieder Wechselatmung. Gerne auch als mentale Wechselatmung in den Asanas.

Hier gibts weitere Anleitungen mit dem Schwerpunkt “Den Kopf befreien” von mir, falls gewünscht.

Meditation der liebenden Güte

Die Meditation der liebenden Güte entspricht in etwa der buddhistischen Metta-Meditation, und hilft den inneren und zwischenmenschlichen Kämpfen ein Ende zu setzen. Vermutlich spielt hier ein unbewusster Kampfmechanismus eine Rolle. Deshalb findet die Schulmedizin auch keinen Ansatzpunkt. Die Sauerstofftherapie passt gut dazu, da sie die Kräfte stärkt, und damit dem Unterbewusstsein die Angst nimmt. Für sinnvoller erachte ich es allerdings, die innere Gelassenheit zu stärken, um nicht noch weiter in die Teufelsspirale aus Kampf – mehr Energie – Mehr Kampf … zu geraten.

Den inneren Beobachter stärken

Meist gibts noch verschiedene psychische Muster und scheinbar unwichtige Elemente im Lebensstil die unbeachtet ihre Wirkung entfalten. Die Stärkung des stillen Beobachters im ganz normalen Alltag trägt enorm dazu bei, diesen Dingen mit der Zeit auf die Schliche zukommen. Und dann kann man sie meist abstellen.

Eine Gute Übung ist es, sich im Alltag ganz bewusst immer wieder in Urlaubsstimmung zu versetzen, indem man sich vornimmt “Ich bin jetzt in Urlaub!”. Das kollidiert natürlich hier und da mit dem Alltag, und gerade diese Kollisionssituationen gewähren tiefe Einblicke in die unbewussten geistigen Vorgänge.

Cluster-Kopfschmerz ist was ganz ekliges – ich wünsche ihr baldige Besserung!


Nachtrag:

es ist schon wieder lange her, dass ich Dir wegen der Cluster-Kopfschmerzen einer Teilnehmerin geschrieben hatte.

Nun hat sie mir vor Kurzem mitgeteilt, dass die schweren Anfälle inzwischen ganz verschwunden sind. Manchmal merkt sie noch in der Nacht, dass ein Auge sich wieder geschwollen anfühlt und denkt dann nur – “ach, früher hätte ich wieder einen Anfall bekommen” und kommt dann ohne Medikamente wieder zur Ruhe.

Was sie geändert hat? Hauptsächlich die Ernährung: sie reagiert stark auf Histamin und Oxalsäure; schon eine halbe Tomate löst wieder einen Anfall aus. Auch Salat, Alkohol, Süßigkeiten gehen gar nicht – Obst ist angenehm.

Yoga Nidra wurde ein paar Monate regelmässig ausgeführt – angenehm, aber ohne Wirkung auf die Anfälle.

3 Runden Sonnengruß jeden Morgen und vor allem tägliche Hals-/Nackenübungen sind sehr wirksam.

Die Bereitschaft/Zeit  für größere Programme ist nicht gegeben – aber die Wirkung für relativ wenig Einsatz ist enorm…


 

Eine tolle Wertschätzung für meine Arbeit ist es, wenn du sie teilst. 😍 😘 🥰