Migräne ist eine extrem unangenehme Erfahrung, und wer betroffen ist googelt nach “Migräne was tun”. Hier gibts hilfreiche Tipps: Hausmittel und Erfahrungen aus dem Yoga, die sich bereits vielfach bewährt haben.

FRAGE:

Ich leide seit über 10 Jahren an starker Migräne. Die ist laut einiger Ärzte, die mich schon mehrmals durchgecheckt haben, hormonbedingt und somit schulmedizinisch nicht behandelbar.

Da mit der Migräne, die ca. 1x im Monat auftritt auch mein Nacken/Schultern sehr verspannt sind, suche ich für mich eine geeignete Jogaform zur Entspannung.

ANTWORT:

Was ist Migräne eigentlich?

Migräne ist ein sehr komplexes Geschehen, mit hohem psychosomatischen Anteil.

Damit ist gemeint, das die eigene Konditionierung seit der Kindheit, gerade bei Migräne, eine sehr grosse Rolle spielt.

Hinzu kommen die Impulse aus dem persönlichen Lebensumfeld, und wie man damit umgeht. Auch hier gibt es eine ganze Reihe von Einflüssen, denen man sich als Betroffener nur sehr schwer entziehen kann, und die immer wieder für neue Anfälle sorgen.

Ärzte sind mehr auf Akutintervention ausgerichtet, und haben oft einen eher weniger ausgeprägten Bezug zu chronischen Themen und Lebensstil. Damit bei Migräne echte Besserung eintreten kann, ist eine Art Lebensstil-Training erforderlich. Dabei ist Yoga ausserordentlich hilfreich.

Ich meide übrigens in diesem Kontext ganz bewusst die Worte Krankheit oder Leiden, da es sich aus yogischer Sicht tatsächlich um einen Lebensstil handelt, der Migräne fördert. Und yogische Hausmittel gegen Migräne konzentrieren sich auf einen ganz bestimmten Lebensstil.

Dieser ist übrigens nicht nur als Hausmittel gegen Migräne interessant. Darüber weiter unten mehr.

Migräne aus yogischer Sicht

Es handelt sich bei Migräne – zumindest aus yogischer Sicht – um so etwas Ähnliches wie eine Denkgewohnheit.

Aus yogischer Sicht trifft diese Haltung auf mehr oder weniger alles im Leben zu – besonders auf alle chronischen Lebensthemen, alle Erkrankungen und Entwicklungen des eigenen Lebens.

“Alles was einem geschieht, hat seinen Ursprung im eigenen Geist” – ist ein bekanntes Statement der Yogis.

In deiner aktuellen Situation nutzt dir diese Erkenntnis aber erst mal nichts. Also machen wir physiologisch orientiert weiter. :-)

Der Migräne-Mechanismus im Gehirn

Grundsätzlich kann man festhalten, das im Gehirn von Migränepatienten ein Mechanismus ganz besonders sensibel ist:

Im Hirnstamm, dem ältesten Teil des menschlichen Gehirns und Teil des Reptilienhirns, werden bestimmte Reize als Stress eingestuft, die an sich eigentlich relativ harmlos sind, wie beispielsweise Wetterumschwünge, Schokolade, Hormonschwankungen oder Wochenende. Migräne-Patienten kenn das sehr gut.

Die Migräne-Konditionierung

Hier haben wir es mit einer Konditionierung zu tun, die oft bereits sehr früh in der Kindheit gelernt wurde. So erklären sich die “Migräne-Familien”. Kinder lernen von den Eltern.

Um aus dieser Konditionierung heraus zu kommen, ist Yoga auf jeden Fall eine sehr gute Entscheidung.

Wichtig ist dabei nicht der Yoga-Stil an sich. Der muss einem nur einfach zusagen. Wähle einfach das aus, das in dir am ehesten Ruhe, innere Sicherheit und Entspannung auslöst.

Wichtig ist sich dem Kernthema des Yoga anzunähern, die Entwicklung von höchster Achtsamkeit und Bewusstheit im Alltag.

“Yoga ist das zur Ruhe bringen der Gedanken im Geiste”

So lehrt es uns Patanjali in seinem Yoga-Sutra, einer der Basis-Schriften des Yoga. Aller Yoga-Stile.

Erst dann, wenn die Gedanken zur Ruhe kommen, und das klare Bewusstsein zutage tritt, wenn die besondere Bewusstheit des klaren und unbewegten Geistes kommt, erst dann ist es möglich sich der eigenen Konditionierung überhaupt bewusst zu werden.

Und erst wenn die unbewusste Konditionierung ins Licht des Bewusstseins geholt wird, erst dann ist es möglich da auszusteigen, und bessere Gewohnheiten zu entwickeln.

Deshalb spielt die Entwicklung von Achtsamkeit und Gewahrsein eine so grosse Rolle.

Was habe ich mir unter diesen Gewohnheiten vorzustellen?

Bei diesen Gewohnheiten handelt es sich keineswegs um die Handlungen die wir täglich vornehmen, wie beispielsweise Zähneputzen oder Blumengiessen nach Feierabend.

Es geht um die unbewussten Gewohnheiten, welche sich in den Funktionen des autonomen Nervensystems spiegeln.

Das sind durchweg unbewusste Prozesse, die in die Körpersteuerung eingreifen.

Insbesondere die Gewohnheit in den Stress-Mechanismus zu gehen spielt hier eine besondere Rolle. Der Stressmechanismus verändert neben Blutdruck und neuronaler Steuerung insbesondere auch das Hormonsystem: es werden Stress-Hormone ausgeschüttet.

Der Ansatzpunkt sind hier die Emotionen: Wann ist dein emotionaler Zustand auf Stress und Anspannung ausgerichtet?

Wie kann ich unbewusste Gewohnheiten bewusst verändern?

Eine bekannte, moderne Methode die mit der Bewusstmachung dieser unbewussten Gewohnheiten arbeitet, ist das Biofeedback. Dabei lernt man bewusst auf üblicherweise unbewusst ablaufende Vorgänge Einfluss zu nehmen. Eventuell wäre es für dich als Entspannungstraining interessant.

Das yogische Übungsprogramm um sich von Migräne zu befreien besteht aus folgenden Elementen:

  1. Erlernen systematischer und sehr(!!!) tiefgreifender Entspannung
  2. Korrektes Ausführen sanfter Atempraxis, Pranayama genannt.
    Bitte kein Intensiv-Pranayama, das stärkt nur den Stress-Mechanismus. Hier gehts eher um Swara-Yoga, die Harmonie im Nervensystem.
  3. Asanas, welche insbesondere die innere Standfestigkeit und Selbstsicherheit entwickeln helfen, und die Emotion “ich bin in mir geborgen, jederzeit und überall” vermitteln.

Wie funktionieren die Yoga-Praktiken, und was hat das mit Emotionen zu tun?

Die yogischen Praktiken arbeiten und funktionieren allesamt über einen ganz bestimmten emotionalen Mechanismus:

  • Bei Migräne und Spannungskopfschmerz werden die Praktiken (Asanas, Pranayamas, Konzentrationen) bevorzugt geübt, welche die emotionale Selbstwahrnehmung “ich bin geborgen und sicher, alles ist gut” fördern.
    Dazu gehören neben der Stellung des Kindes die Vorwärtsbeuge und der Pflug. Auch die Heldenstellungen sind sehr wichtig, und gehören aufgrund ihrer Vermittlung von Sicherheit unbedingt zum täglichen Übungsprogramm.
    Yoga unterscheidet – im Gegensatz zur Schulmedizin – nicht näher zwischen den beiden Kopfschmerzarten Spannungskopfschmerz und Migräne, da sie denselben Ursprung haben: den Stress-Mechanismus. Deshalb hilft dieses Programm auch bei stressbedingten Magenbewschwerden, Rückenbeschwerden oder Schlafstörungen. Es geht darum den inneren Stress los zu werden, den unbewussten Stressmechanismus zu verändern.
  • Gleichzeitig wird die Selbstwahrnehmung gefördert, um auch im Alltag bewusst diese innere Haltung einnehmen zu können. Jeden Tag, auch Nachts. Also 24 Stunden am Tag, 7 Tage die Woche.
  • Auf der physischen Ebene wird bei Kopfschmerzen noch der Mechanismus trainiert, der für die Regelung der Blutzufuhr zum Kopfbereich zuständig ist. Das alleine reicht allerdings meist nicht. Die weiteren Elemente eines vollständigen Yogaprogrammes gehören dazu.

Dieses Programm funktioniert natürlich nicht von heute auf morgen, es ist ein längerer Prozess. Bei sehr systematischer, das heisst täglicher Übungsweise ist mti ca 6 Monaten zu rechnen. Manche brauchen 1 Jahr.

Hier ist der Erfahrungsbericht einer Kursteilnehmerin zu diesem Thema:

Mein großes Thema war die zunächst häufige, später monatlich wiederkehrende starke Migräne, manchmal über mehrere Tage. Kopfschmerzen quälen mich schon seit meiner Pubertät, Migräne in ihrer vollsten
Ausprägung kam dazu, als ich ca. 20 Jahre alt war.

 

Nach mehreren Jahren Yogapraxis, im letzten Jahr täglicher Praxis, beschränkte sich die Migräne auf
immer den selben Zeitraum rund um die Monatsblutung. Damit war ziemlich klar, dass diese (Rest) Migräne
hormonell bedingt sein muss.

 

Jala Neti praktiziere ich schon seit Jahren, mehrmals wöchentlich, aber die tägliche Routine kam erst in der bei dir absolvierten Ausbildung. Auch habe ich deinen Rat befolgt und 1. benutze ich kaltes Wasser, was
sich sehr positiv auf meine Wahrnehmung und, wie ich meine, auf die Nerven auswirkt, und 2. habe ich über einen Zeitraum von ca. 2-3 Wochen mehrmals täglich die Nase gespült, womit wohl wirklich ein positiver Einfluss auf den Hormonhaushalt stattfand.

 

Kurz: seitdem bin ich die Migräne quasi los!

 

Manchmal machen sich noch Spannungskopfschmerzen breit, die ich, wenn die Möglichkeit besteht, auch mit Entspannungsübungen und Ruhe in den Griff bekomme, ansonsten hilft mir ein leichtes Schmerzmittel.

 

Ich führe das auf die absolut konsequente Durchführung von Neti und meiner übrigen Yogapraxis zurück, was unterm Strich nicht nur meinen Hormonhaushalt eingependelt hat, sondern in gewisser Weise auch meinen Tagesablauf – es zieht mich Nachteule nun immer regelmäßiger zu vernünftigen Zeiten ins Bett.

 

Ich bin mittlerweile bei uns zum Neti-Missionar geworden und berichte gerne anderen Migräne-Patientinnen von meinen Erfolgen. Ich habe allerdings einsehen müssen, dass bei vielen der Erfolg an der nicht vorhandenen Konsequenz der Durchführung scheitert. Mal in der Zeit die Nase zu spülen reicht nicht aus.

 

Tapas – die Disziplin, ist die absolute Voraussetzung. Eben ganz nach Patanjali!

Anleitung für ein Migräne-Übungsprogramm

  • Falls du dir eine Anleitung von mir wünschst, empfehle ich dir das Kopfschmerzprogramm, welches bereits vielen Menschen geholfen hat. Es wird erfolgreich eingesetzt bei Migräne und bei Spannungskopfschmerz.
  • Für das Erlernen von Swara-Yoga habe ich zwei Anleitungen zu bieten: Den Kopf befreien, und Gold-Silber-Atem

Übungshinweise

  1. Übe erst gemäss den Anleitungen aus dem Skript (PDF), und später ggf. die MP3-Anleitungen.
  2. Lass dir von einem gut ausgebildeten Yogalehrer Neti zeigen, und übe das täglich.
  3. Lass dir von einem gut ausgebildeten Yogalehrer oder Yogatherapeuten bei der korrekten Durchführung der Übungen aus meiner Anleitung helfen.
    Die Anleitung richtet sich an Menschen mit Yoga-Erfahrung. Yoga-Anfänger können das auch sehr gut üben, benötigen lediglich einige Hinweise, um die Übungen korrekt ausführen zu können. Das ist ziemlich wichtig.
    Jeder gute Yogalehrer sollte das können, deshalb wende dich mit diesem Wunsch an den Yogalehrer deines Vertrauens, falls du diese Übungen bisher noch nicht kennst. Er oder sie wird dir helfen das Programm korrekt durchzuführen.

Wenn du konsequent bist, und täglich übst, dann wirst du höchstwahrscheinlich nach 6 Monaten die ersten Erleichterungen spüren: Die Migräne kommt seltener, oder fällt sanfter aus.
Nach ca 1 Jahr kann es sein, das du (weitgehend) Migränefrei bist. Ob das klappt hängt zum einen von deiner persönlichen Entwicklung ab, zum anderen aber auch von der Art deiner Migräne. Verbesserung garantieren kann ich dir daher leider nicht. Allerdings kenne ich sehr viele Menschen (auch persönlich) die auf diese Weise zumindest zu 80% ihre Beschwerden los geworden sind, und das als grosse Erleichterung empfinden.

 

 

Sag danke für diesen Beitrag, indem du hilfst ihn weiter zu verbreiten.
Danke dafür! 😍 😘 🥰